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Pädagogischer Tag am BORG Birkfeld

 

Der Nürnberger Trichter hat ausgedient

Mit einem faszinierenden Vortrag zu brennenden Themen der Schule beeindruckte Dr. Willi Stadelmann die Professoren und Professorinnen des BORG Birkfeld am 23. 10. im Gasthof Gruber in Pöllau.
Der Pädagogische Tag der Schule stand unter dem Motto „Lernen und Fördern“. Ausgehend von Erkenntnissen der Gehirnforschung, sprach Dr. Stadelmann über diesbezügliche Konzepte, die „zwar nicht neu sind, die aber heute naturwissenschaftlich begründet und bewiesen werden können.“ Es liege also nun wirklich nur mehr am gemeinsamen Willen, die Konzepte auch umzusetzen.
Den Nürnberger Trichter – wie man sich das Lernen  in früheren Zeiten als mühelosen Vorgang vorgestellt hat – gibt es allerdings nicht. Lernen ist vergleichbar mit einem Training, das die Verbindung zwischen Nervenzellen festigt und stabil macht. Man ist heute durchaus in der Lage, solche „Trainingseffekte“ bildlich darzustellen und damit auch zu beweisen. Für den Laien ergibt sich in diesem Zusammenhang das Bild eines mehr oder weniger gut ausgebauten „Straßennetzes“, in dem es neben in Autobahn-Verbindungen  auch kaum benutzte Nebenstraßen und Abstellgleise gibt.

Dr. W. Stadelmann

Für den Ausbau dieser Vernetzungen ist vor allem die Zeit der frühen Kindheit ausschlaggebend: Besonders im 1. Lebensjahr finden die diesbezüglichen Weichenstellungen statt. Stadelmann ging diesbezüglich besonders auf die enge Verbindung  von Musik und Sprache ein: „ Eine musikalische Stimulation zusammen mit der gesprochenen Sprache ist die optimale Vorbereitung auf das Erlernen von Sprachen!“
Lernen findet zwar am intensivsten im ersten Lebensjahr statt, trotzdem ist heute bewiesen, dass Lernen ein lebenslanger Prozess ist, wenn sich auch die Art der Informationsverarbeitung ab der Pubertät markant ändert. Unser Gehirn kann nach diesem Entwicklungsschritt nicht mehr mit der gleichen Leichtigkeit und auch nicht mehr in diesem Ausmaß wie zuvor Informationen aufnehmen und speichern.
Die Fähigkeiten verlagern sich: Wir lernen zu abstrahieren und gehen dazu über, unsere bestehenden Vernetzungen optimal zu nutzen. Für die Schule bedeutet das, dass Kinder vor der Pubertät eigentlich mit Abstrahierungen, sei es in der Grammatik oder in der Mathematik nicht umgehen können. Diese neuen Denkweisen seien vor allem der Oberstufe vorbehalten.
Was aber tun, wenn unsere Schüler nicht lernen wollen? – Wie motivieren wir sie dazu, sich mit dem Stoff zu befassen? Stadelmann hat eine scheinbar einfache Antwort:  „Was den Menschen „bewegt“ – bewegen kommt von „movere“, in dem Wort steckt „motivieren“ – sind nicht Fakten und Daten, sondern es sind Gefühle, Geschichten, und vor allem Menschen!“ Hier sei die Person des Lehrers und der Lehrerin gefordert, je glaubwürdiger die Lehrpersonen, desto besser können sich die SchülerInnen mit dem Stoff identifizieren. Dabei kommt es in erster Linie darauf an, dass LehrerInnen von ihrem Fach selbst begeistert sind. Diese Begeisterung – verbunden mit Glaubwürdigkeit, Authentizität, führt dazu, dass die Fakten und Daten auch  jene Schranke in unseren Gehirnen passieren, die man bildlich als „Rausschmeißer“ sehen könnte: Das Limbische System, das für unsere Gefühle zuständig ist, entscheidet, ob Wahrgenommenes in die Großhirnrinde weiter geleitet wird oder eben nicht. Lernen sei eben wie eine „geistige Liebesaffäre“, wir befassen uns nur mit den Dingen wirklich intensiv, die wir auch gerne machen.

Kollegium BORG Birkfeld
Lehrerfortbildung 2006

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